Patientengeschichten

Mohamads Geschichte

Ich erinnere mich genau an den Moment, in dem ich verstanden habe, dass mein Sohn nicht mehr laufen kann. Mohamad war noch klein. Nach den Verbrennungen an seinen Beinen und Füßen konnte er nicht stehen. Wenn er es versuchte, weinte er. Also habe ich ihn getragen. Jeden Tag. Überallhin. Er wurde schwerer. Aber ich habe ihn weitergetragen.

Wenn ein Kind nicht mehr stehen kann

Die Haut an seinen Beinen war hart und gespannt. Narben zogen sich zusammen. Seine Füße fühlten sich nicht mehr an wie Füße, sondern wie etwas Fremdes. Mohamad verstand nicht, warum sein Körper nicht mehr machte, was er wollte. Ich habe ihm gesagt, dass alles wieder gut wird. Auch wenn ich selbst nicht wusste, ob das stimmt.

Ein Weg, der Zeit braucht

Als wir zu placet kamen, sagte man uns, dass es mehrere Behandlungen brauchen würde. Operationen, Pausen, Heilung. Dass nichts schnell gehen würde. Ich habe zugestimmt. Weil ich keine andere Wahl hatte. Und weil ich Hoffnung hatte. Nach jeder Operation wartete ich auf ein Zeichen. Eine kleine Bewegung. Weniger Schmerz. Irgendetwas, das mir sagte, dass es richtig war.

„Mama, ich kann stehen“

Eines Tages stellte Mohamad seinen Fuß auf den Boden. Ganz vorsichtig. Dann den anderen. Er hielt sich fest. Er zitterte. Aber er stand. Ich weiß noch, wie er mich ansah und sagte: „Mama, ich kann stehen.“ In diesem Moment habe ich ihn nicht getragen. Er hat sich selbst getragen.

Heute

Mohamads Weg ist noch nicht abgeschlossen. Weitere Behandlungen werden folgen. Aber er kann heute stehen, gehen, seine Füße benutzen. Er ist unabhängiger geworden. Und ich trage ihn nicht mehr. Nicht, weil ich es nicht will. Sondern weil er es selbst kann.

placet e.V. – Heilung. Hoffnung. Neubeginn.