Patientengeschichten
Batols Geschichte
Ich erinnere mich gut an Batol. An ihre kleinen Füße. Und daran, wie vorsichtig sie war, als sie versucht hat, aufzustehen. Nach den Verbrennungen waren beide Vorfüße stark betroffen. Die Haut war vernarbt, die Zehen durch Kontrakturen fehlgestellt. Für ein Kind in diesem Alter ist das besonders einschneidend – denn alles, was mit Entwicklung zu tun hat, beginnt mit Bewegung.
Medizinisch betrachtet – und doch viel mehr
Aus ärztlicher Sicht war der Behandlungsplan klar: Narbenstränge lösen, Haut ersetzen, Fehlstellungen korrigieren, Zehen temporär stabilisieren. Mehrere Eingriffe, sorgfältig aufeinander abgestimmt. Aber bei Kindern wie Batol denke ich nicht nur in Diagnosen und OP-Schritten. Ich sehe ein Kind, das lernen möchte zu stehen. Zu gehen. Und das Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen.
Kleine Füße, große Bedeutung
Nach den ersten Eingriffen war Geduld gefragt. Verbände, Drahtentfernungen, erneute Korrekturen. Für Erwachsene ist das schon belastend – für ein Kind umso mehr. Batol hat das alles mit einer Ruhe getragen, die mich immer wieder berührt. Sie hat nicht viel gesagt. Aber man konnte sehen, wie sehr sie sich wünschte, einfach nur laufen zu können.
Der Moment, der bleibt
Ich werde den Moment nicht vergessen, als sie das erste Mal wieder vorsichtig auftrat. Kein großer Schritt. Kein Laufen. Nur ein bewusstes Stehen. Für Außenstehende unspektakulär. Für uns – und für Batol – ein Meilenstein. Solche Augenblicke erinnern mich daran, warum ich diese Arbeit mache.
Warum wir bleiben
Batols Weg ist noch nicht abgeschlossen. Weitere Begleitung wird notwendig sein. Aber sie hat heute etwas zurückgewonnen, das für ein Kind entscheidend ist: Stabilität. Und Vertrauen.
Als Chirurg kann ich operieren. Aber was mich wirklich bewegt, ist zu sehen, wie ein Kind beginnt, seinem Körper wieder zu glauben. Manchmal geht es nicht um große Schritte. Manchmal geht es um jeden einzelnen.
placet e.V. – Heilung. Hoffnung. Neubeginn.
